Therapiesessel und Coach als Setting für die der Psychotherapie/Paartherapie - Mag. Barbara Tröbinger, Psychotherapeutin in Graz

Abhängigkeit und Sucht

»Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen des Individuums.« Klaus Wanke)

Berauschende oder bewusstseinsverändernde Substanzen haben in allen Religionen und Völkern der Welt eine lange Tradition. Auch Rituale um besondere und intensive Bewusstseinszustände zu erleben (z.B. mit Tanz, Musik, Gesang, unter extremer Gefahr) sind ein wichtiger Bestandteil menschlicher Gesellschaften. In Naturvölkern werden psychotrope Mittel im Rahmen vieler Rituale eingesetzt, etwa zur Heilung, beim Übergang eines Menschen in eine neue Lebensphase oder bei der Übernahme einer bestimmten gesellschaftlichen Rolle.

Der Übergang vom Substanzgebrauch, zum missbräuchlichen Konsum und hin zur körperlichen und psychischen Abhängigkeit ist fließend. Gleiches gilt für nicht-stoffgebundene Süchte, wie etwa der Glücksspielsucht, Internetsucht, Computerspielsucht.

Abhängigkeit beziehungsweise Sucht ist eine Form der engen Bindung an eine Substanz oder an ein bestimmtes Verhalten. Zur Abhängigkeit werden der Konsum oder das Verhalten dann, wenn Leid und Beeinträchtigung für die betroffene Person daraus entstehen und das Verhalten dennoch nicht mehr eingestellt oder eingeschränkt werden kann. Nahe Beziehungen, Beruf, körperliche Gesundheit und Hobbies werden neben dem Suchtverhalten immer nebensächlicher.

Die WHO definiert Abhängigkeit als einen seelischen, eventuell auch körperlichen Zustand, der dadurch charakterisiert ist, dass ein Mensch trotz körperlicher, seelischer oder sozialer Nachteile ein unüberwindbares Verlangen nach einer bestimmten Substanz oder einem bestimmten Verhalten empfindet. Der Betroffene kann das drängende Verlangen nicht mehr steuern kann und wird davon beherrscht. Bei vielen Suchtmitteln muss durch zunehmende Gewöhnung des Körpers an das Suchtmittel die Dosis gesteigert werden, um die gleiche Wirkung zu erleben. Einer Abhängigkeit liegt der Drang zugrunde, die psychischen Wirkungen des Suchtmittels oder des Verhaltens zu erfahren: Berauschung, Entspannung, Abschalten, einen Kick, Enthemmung, Spaß, Aktivierung, bessere Konzentration und Fokussiertheit, Beruhigung, einen ruhigen Schlaf. Zunehmend entsteht auch das Bedürfnis, unangenehme Auswirkungen bei Fehlen des Suchtmittels zu vermeiden: körperliche und psychische Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Angstzustände, Schweißausbrüche.

Alkohol ist neben Tranquilizern und Zigaretten in Österreich das anerkannteste legale Suchtmittel mit stark schädlichen "Nebenwirkungen". Darüber hinaus hat sich auch der Konsum von Kokain als Party-Droge und zur Leistungssteigerung in den letzten drei Jahrzehnten in höheren Gesellschaftsschichten immer mehr verbreitet.

Alkohol

Knapp 10% der Österreicher trinken regelmäßig Alkohol in gesundheitsschädlichem Ausmaß. Auch Rauschtrinken ("Binge-Trinking") am Wochenende kann dem Körper auf die Dauer erheblich schaden. Dies betrifft etwa 200.000 Österreicher. Das Abhängigkeitspotential von Alkohol ist hoch, der Körper gewöhnt sich rasch an die Substanz und man benötigt immer größere Mengen, um die angenehme Wirkung oder einen Rausch zu erleben. Dieses Phänomen wird als "Toleranzentwicklung" bezeichnet. Bei Nachlassen der Wirkung bzw. Versuchen den Konsum einzustellen können sogenannte Entzugssymptome auftreten: Unruhe, Stresszustände, Schweißausbrüche, Zittern, Reizbarkeit, Angstsymptome und Schlafstörungen. Wenn der Alkohol zu Verringerung dieser Symptome genutzt wurde (z.B. um besser schlafen zu können oder um soziale Ängste zu bekämpfen), kehren diese Symptome bei Fehlen des Alkohols üblicherweise wieder auf. Jeder zehnte Österreicher entwickelt im Laufe seines Lebens eine Alkoholabhängigkeit. Repräsentative Erhebungen in der Allgemeinbevölkerung schätzen die Zahl der Betroffenen in Österreich auf etwa 350.000 innerhalb eines Jahres.

Glücksspiel

Etwa einer von hundert Österreichern leidet unter Glücksspielsucht. Betroffen sind vor allem junge Männer. Beim Automatenspielen ist hier das Risiko eine Abhängigkeit zu entwickeln besonders hoch. Die verspielten Beträge werden höher, die Häufigkeit und Dauer des Spielens steigt. Verschuldung, familiäre Konflikte und Probleme am Arbeitsplatz bis hin zu sozialem Abstieg, sozialer Isolation und Beschaffungskriminalität sind die Folge.

Beschaffungskriminalität

Insbesondere bei teuren illegalen Drogen und bei Glücksspiel ist das Risiko hoch, in die Beschaffungskriminalität zu schlittern: Durch Diebstahl, Betrug, Einbrüche, Raub, oder sogar durch Drogenverkauf wird der eigene Suchtmittelkonsum finanziert. Der Ausstieg aus diesem Teufelskreis wird immer schwieriger. Die Hürde sich professionelle Hilfe zu suchen steigt, da Betroffene eine Anzeige befürchten oder auch Angst vor der Vergeltung krimineller Banden haben. Spezialisierte Suchtberatungsstellen und Psychotherapeuten bieten einen vertraulichen und geschützten Rahmen, um Wege aus der Kriminalität und aus der Sucht zu finden. Voraussetzung ist, dass Betroffene mit den Beratern und Therapeuten offen und verlässlich zusammenarbeiten.

Körperliche Schäden und Risiken bei Suchtmittelkonsum

Manche Suchtmittel sind hochgiftig, allen voran moderne chemische Drogen. Diese führen bei regelmäßigem Konsum innerhalb kürzester Zeit zu erheblichen körperlichen Schäden und zu körperlichem Verfall. Andere Suchtmittel schaden dem Körper schleichend, wie etwa Alkohol, Zigaretten, Kokain oder auch Cannabis. Hier kommt es oft erst nach vielen Jahren zu körperlichen oder neurologischen Folgeerkrankungen. Mit psychischen Folgeerkrankungen (z.B. Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Impulskontrollstörungen) und Persönlichkeitsveränderungen ist bei langjährigem und häufigem Konsum von Alkohol, Cannabis, Benzodiazepinen (Beruhigungsmittel) und von Party-Drogen zu rechnen.

Bei körperlicher Abhängigkeit von Suchtmitteln kann es im Rahmen eines Entzugs, neben massiven psychischen und körperlichen Stresssymptomen, zu epileptischen Anfällen kommen. Besonders das abrupte Absetzen eines Suchtmittels ("kalter Entzug") kann daher lebensgefährlich sein. Dies gilt vor allem für Alkohol, harte Drogen, starke Schmerzmittel (Morphine, Opiate), für Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) und für manche Party-Drogen (z.B. Extasy).

Auch ein plötzlicher Rückfall kann tödlich enden, da es leicht zu einer Überdosierung des Mittels kommt, an das der Körper nach dem Entzug nicht mehr gewöhnt ist.

Suchtmittel zur Selbstbehandlung

Viele Suchtkranke leiden außerdem im Hintergrund unter einer anderen psychischen Erkrankung, wie Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, psychosomatischen Erkrankungen, chronischem Schmerz oder posttraumatischer Belastungsstörung. Oft entsteht eine Abhängigkeit aus einer Lebenskrise oder aus einem seelischen Leidenszustand heraus, der mit dem Suchtmittel zu bekämpfen versucht wird.

Behandlung und Therapie bei Abhängigkeitserkrankungen

Eine Entwöhnung von einem Suchtmittel oder eine Veränderung von Suchtverhalten ist nur dann erfolgversprechend, wenn dahinterliegende psychischen Leidenszustände erkannt und behandelt werden. Ein Substanzentzug sollte aufgrund der körperlichen Risiken stets schrittweise und unter ärztlicher Betreuung erfolgen. Eine begleitende Psychotherapie und eine Familienberatung oder eine Familientherapie sind sinnvoll.

In der Psychotherapie bei Abhängigkeit bzw. Sucht geht es um die Begleitung bei richtungsweisenden Lebensentscheidungen. Mit dem Beenden oder Reduzieren des selbstschädigenden (Sucht-)Verhaltens brechen sehr häufig Themen auf, die der Betroffene bisher im wahrsten Sinne des Wortes "betäubt" hat. Es geht sehr oft um Veränderungen in der Lebensgestaltung, um Veränderungen in der Partnerschaft und um todgeschwiegene familiäre Konflikte. Besonders wichtig ist es Betroffene zu stärken, sodass sie sich Ängsten und schwierigen Entscheidungen stellen können. Es geht um Selbstschutz vor Grenzüberschreitungen, die man bisher mit dem Suchtmittel "ertragen" hat. Es geht um die Entwicklung neuer Ziele und Perspektiven. Hochbelastende Erinnerungen an seelische Verletzungen und Gewalterfahrungen brauchen Beachtung in der Psychotherapie. Es gilt in der Therapie Wege zu entwickeln, wie diese schlimmen Erinnerungen zur Ruhe kommen können. Fürsorge für den eigenen Körper und ein wohlwollender, achtungsvoller Blick auf sich selbst sind weitere zentrale Themen der Suchttherapie.

Links:

Kostenlose Drogen-Information

Informationen des Gesundheitsministeriums zu Sucht und Drogen

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