Therapiesessel und Coach als Setting für die der Psychotherapie/Paartherapie - Mag. Barbara Tröbinger, Psychotherapeutin in Graz

Diagnose: Depression

Fachartikel von Barbara Tröbinger

Antriebslosigkeit, Interessensverlust, Schlafstörungen, Gedankenkreisen, Grübeln, Konzentrationsprobleme, Selbstzweifel, ein Gefühl der Leere, der Hoffnungslosigkeit und Sehnsucht nach dem Tod - dies sind mögliche Anzeichen einer Depression. Depressive Symptome können zu einer erheblichen Beeinträchtigung im Alltag und zu einem massiven Verlust der Lebensqualität führen: Nahe Beziehungen, die schulische und berufliche Leistungsfähigkeit und das körperliche Wohlbefinden leiden darunter.

Wie wird die Diagnose
Depression gestellt?

Die Diagnose einer Depression wird nach den Kriterien von international anerkannten psychiatrischen Diagnosesystemen (Diagnosemanualen) gestellt.

In Österreich ist das medizinische Diagnosesystem der WHO etabliert und von den Krankenkassen auch im Bereich psychiatrischer Diagnosen anerkannt: der ICD. Dieser ist aktuell in der 10.Fassung, dem ICD-10 in Verwendung. Das zweite international geläufige, rein psychiatrische Diagnosemanual ist der DSM, der seit 2016 in der 5.Auflage, dem DSM-V, vorliegt.

Fachärzte für Psychiatrie sowie Klinische Psychologen sind auf die nähre Abklärung psychischer Erkrankungen spezialisiert. Häufige psychiatrische Diagnosen (wie die einer Depression) werden oft auch von Hausärzten gestellt und von diesen mit stimmungsaufhellenden Medikamenten behandelt.

DEPRESSION: DIAGNOSEKRITERIEN

Zur Diagnosestellung psychischer Erkrankungen müssen üblicherweise drei Kriterien erfüllt sein:

1. Symptomkriterium

Eine bestimmte Anzahl aus einer Liste typischer Symptome muss gegeben sein (d.h. vom Betroffenen berichtet werden, von Angehörigen berichtet werden oder/und von Therapeuten/Medizinern beobachtet werden). Die Symptome müssen deutlich bzw. in ungewöhnlichem Ausmaß ausgeprägt sein.

2. Zeitkriterium

Die Symptome müssen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung über einen definierten Mindestzeitraum wiederholt bzw. relativ konstant vorliegen.

3. Kriterium der psychosozialen Funktionsbeeinträchtigung durch die festgestellten Symptome:

- ein ernstlicher und erheblicher Leidensdruck oder/und

- eine ernstliche und erhebliche Beeinträchtigung in mehreren Lebensbereichen (soziale Beziehungen, d.h. Familie, Freunde, berufliche Beziehungen; Leistungsfähigkeit in Ausbildung/Beruf; Freizeit)

4. Ausschlusskriterien

Weiters definieren die psychiatrischen Diagnosemanuale sogenannte "Ausschlusskriterien". D.h. die berichteten und beobachteten Symptome dürfen sich nicht besser im Rahmen einer anderen psychischen Erkrankung oder ausschließlich im Rahmen einer körperlichen/neurologischen Erkrankung erklären lassen.

Grundsätzlich können jedoch auch mehrere psychiatrische Diagnosen zugleich gefällt werden, wenn sich die Symptome und die lebensgeschichtliche Beeinträchtigung nicht hinreichend im Rahmen eines der Krankheitsbilder erklären lassen. Man spricht dann vom "komorbiden" Vorliegen mehrerer psychischer Störungen bzw. von "psychiatrischen Komorbiditäten".

SYMPTOME EINER DEPRESSION

Nach ICD-10 ist die Diagnose "depressive Episode" (F 32.x) bei Vorliegen folgender Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen (=Zeitkriterium) zu stellen:

Depressive Episode: Hauptsymptome

(1) gedrückte Stimmung (Niedergeschlagenheit, Schwermut, Traurigkeit)

(2) Interessensverlust und Freudlosigkeit bei normalerweise angenehmen Aktivitäten

(3) Verminderung des Antriebs (Antriebslosigkeit) oder gesteigerte Ermüdbarkeit (rasch erschöpft)

Depressive Episode: Zusatzsymptome

(4) Verlust des Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens, Gedanken über die eigene Wertlosigkeit

(5) unangemessene und ausgeprägte Schuldgefühle oder unbegründete Selbstvorwürfe

(6) wiederkehrende Gedanken ans Sterben oder an Selbstmord (Todessehnsucht bis hin zu Selbstmordgedanken), Selbstmordversuche

(7) vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit (subjektiv vom Betroffenen berichtet oder auch klinisch beobachtbar)

(8) psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit (Verlangsamung, dauerndes Erschöpfungsgefühl oder Getriebenheit, Rastlosigkeit, Unruhe)

(9) Schlafstörungen (erhöhte/geminderte Schlafquantität - braucht mehr Schlaf als sonst, kann deutlich weniger schlafen als sonst, Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, geminderte Schlafqualität)

(10) veränderter Appetit (vermindert/gesteigert), oft verbunden mit entsprechender Gewichtsveränderung (Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust)

Typischerweise verändert sich die gedrückte Stimmung von Tag zu Tag wenig und reagiert nicht auf Lebensumstände (z.B. auf eine positive Veränderung der Lebenssituation, auf angenehme Aktivitäten). D.h. die depressiven Symptome treten in einem für den/die Betroffene/n merkbar ungewöhnlichen Ausmaß, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag und im Wesentlichen unbeeinflusst von den äußeren Umständen auf.

Körperliche Beschwerden (sogenannte "somatische Symptome") sind häufig: Früherwachen, Morgentief, körperliches Erschöpfungsgefühl, Appetitlosigkeit, körperliche Unruhe und Libidoverlust (=gemindertes sexuelles Verlangen bis hin zu Erektionsstörungen und Anorgasmie).

DEPRESSIVE EPISODE: SCHWEREGRADE

Das Ausmaß der depressiven Symptomatik wird im ICD-10 abhängig von der Anzahl und abhängig von der Schwere der vorhandenen Symptome in drei Schweregrade unterteilt:

Leichte depressive Episode (F 32.0)

  • mindestens 2 der Symptome (1)-(3) sind gegeben
  • in Summe sind mindestens 4 der 10 Symptome vorhanden
  • Der/die Betroffene fühlt sich zwar merklich beeinträchtigt, ist aber oft in der Lage, die meisten gewohnten Aktivitäten fortzusetzen.

Mittelgradige depressive Episode (F 32.1)

  • mindestens 2 der Symptome (1)-(3) sind gegeben
  • in Summe mind. 6 der 10 Symptome
  • Es bestehen (manchmal mit Schwankungen) große Schwierigkeiten, alltägliche Aktivitäten fortzusetzen.

Schwere depressive Episode (F 32.2)

  • alle 3 Hauptsymptome (1)-(3) sind gegebe
  • in Summe mindestens 8 der 10 Symptome
  • Typischerweise bestehen ausgeprägte Schuldgefühle, ein Verlust des Selbstwertgefühls und Gefühle von Wertlosigkeit. Suizidgedanken sind häufig, mitunter wurden bereits Selbstmordversuche verübt. Meist liegen einige somatische Begleitsymptome (körperliche Erschöpfung, Morgentiefs, Früherwachen, Libidoverlust) vor.

Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (F 32.3)

In sehr seltenen Fällen treten im Rahmen einer schweren depressiven Symptomatik auch psychotische Symptome (d.h. außergewöhnliche Wahrnehmungen und irrationale Überzeugungen) auf. In diesem Fall ist die Diagnose "schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen" zu stellen. Betroffene sind nicht mehr zu alltäglichen Aktivitäten in der Lage, starren nur mehr regungslos vor sich hin und reagieren nicht mehr auf ihr Umfeld (depressiver Stupor), können mitunter nicht mehr essen oder trinken. Manche hören anklagende, abwertende Stimmen, andere haben mit Ekel und Schuld verbundene Geruchs- oder Körperwahrnehmungen (z.B. Verwesungsgeruch). Die Erkrankten können völlig überzeugt sein, bald sterben zu müssen, große Schuld auf sich zu laden (Versündigungswahn) oder alles zu verlieren (Verarmungswahn). Diese Situationen können lebensbedrohlich sein. Eine rasche medizinische Untersuchung und Behandlung ist oft der einzige Weg Betroffenen zu helfen.

Rezidivierende depressive Störung
(rezidivierende Major Depression) (F 33.x)

Bei wiederkehrenden depressiven Episoden ist nach ICD-10 die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung (F 33.x) bzw. einer rezidivierenden "Major Depression" zu stellen. Bei etwa zwei Drittel der Betroffenen kommt es zu diesem phasischen Verlauf. Auch hier muss das Ausmaß der gegenwärtigen depressiven Symptomatik beurteilt werden:

F 33.0    gegenwärtig leichte Episode

F 33.1    gegenwärtig mittelgradige Episode

F 33.2    gegenwärtig schwere Episode

Differentialdiagnose: Bipolare Störung (F 31.x)

Manchmal wechseln sich Stimmungstiefs mit Stimmungshochs (gehobene, überschwengliche Stimmung und gesteigerter Antrieb, Euphorie, Selbstüberschätzung, leichtsinnige Handlungen und Entscheidungen, Risikofreude, gemindertes Schlafbedürfnis, häufig Substanzmissbrauch, gesteigerte Libido, etc.) ab. Dann ist das Vorliegen einer bipolaren Störung (manisch-depressiven Störung) zu vermuten. Die Behandlung einer bipolaren Störung unterscheidet sich von der Behandlung einer rezidivierenden depressiven Störung. Daher ist eine nähere psychologische Abklärung (klinisch-psychologische Diagnostik) und/oder eine genauere psychiatrische Abklärung zu empfehlen, wenn Betroffene oder Angehörige solche Stimmungswechsel beobachten.

Differentialdiagnose: Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (F 43.x)

Als Reaktion auf belastende Lebensereignisse und lebensphasische Veränderungen (wie Tod von Angehörigen, Trennung, schwere körperliche Krankheit, Arbeitsplatzverlust, Mobbing, Ablösungsprozesse, ein schwerer Unfall, (sexuelle) Gewalterfahrungen) kann es zu einer psychischen Belastungsreaktion oder psychischen Krise kommen: depressive Stimmung, Angst (z.B. Versagensängste), Sorge, Selbstzweifel, ständige Traurigkeit, Stresssymptome/ ein erhöhtes Stresslevel ("Arousal"), eine geminderte Belastbarkeit und erhöhte Irritierbarkeit, posttraumatische Intrusionen (sogenannte "Flashbacks") und Vermeidungsverhalten können zu einer erheblichen Beeinträchtigung im Alltag führen.
Wenn der Bezug der Symptomatik zu der lebensphasischen Herausforderung oder dem belastenden Lebensereignis klar erkennbar ist und die typisch depressiven Symptome nicht im Vordergrund stehen, wird der Diagnose einer Anpassungsstörung, einer akuten Belastungsreaktion oder einer posttraumatischen Belastungsstörung der Vorrang vor der Diagnose einer Depression gegeben.

Wie viele Menschen leiden unter Depressionen?

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